Zwischen den Codezeilen - Teil 1: Von der Idee zum Feature

22. August 2025

🔘 „Könnt ihr da nicht ein­fach noch einen Knopf einbauen?“

Wenn’s nur so ein­fach wäre. Die Rei­se von einem Wunsch zur fer­ti­gen Lösung beginnt meist lan­ge vor dem ers­ten Maus­klick - und führt durch Dis­kus­sio­nen, Skiz­zen, tech­ni­sche Abklä­run­gen, Archi­tek­tur­über­le­gun­gen und vie­le Ent­schei­dun­gen im Hin­ter­grund. In die­sem ers­ten Teil unse­rer Serie „Zwi­schen den Code­zei­len“ zei­gen wir, was pas­siert, bevor ein neu­es Fea­ture live geht. Mit dabei: ein ech­tes Bei­spiel aus der Pra­xis - der digi­ta­le Rück­schub­schein für Fest­lie­fe­run­gen.

💡Der Aus­lö­ser: Ein ech­ter Kun­den­be­darf
Vie­le unse­rer Kun­den belie­fern regel­mäs­sig Fes­te - mit Geträn­ken und Leih­ma­te­ri­al wie Fest­bän­ken, Zapf­an­la­gen oder Kühl­wa­gen. Nach dem Fest wird zurück­ge­holt, was nicht kon­su­miert oder nur aus­ge­lie­hen wur­de. Klingt ein­fach - ist es aber nicht. Der bis­he­ri­ge Pro­zess war kom­plett ana­log: Ein Lie­fer­schein, zwei Aus­dru­cke - einer für die Lie­fe­rung, einer als Rück­schub­schein mit lee­ren Fel­dern für hand­schrift­li­che Rück­erfas­sung. Der Wunsch war klar: Bit­te digi­ta­li­sie­ren. Aber ohne, dass sich alles verändert.

 🧠Der Denk­pro­zess: Von der Idee zur Pla­nung
Bevor wir etwas ent­wi­ckeln, müs­sen wir verstehen:

  • Was ist das eigent­li­che Ziel?
  • Wie wirkt sich das auf bestehen­de Pro­zes­se aus?
  • Wel­che fach­li­chen und tech­ni­schen Abhän­gig­kei­ten sind zu beachten?

Beim Rück­schub ging es nicht nur um Rück­nah­men - son­dern um Tou­ren­pla­nung, Logis­tik, Lager­be­we­gun­gen, Fak­tu­rie­rung, Sta­tis­ti­ken und Benut­zer­füh­rung. Alles muss­te mög­lichst naht­los inein­an­der­grei­fen, ohne dass sich der gewohn­te Ablauf auf Kun­den­sei­te kom­plett ändert.
Sol­che Anfor­de­run­gen bespre­chen wir intern in soge­nann­ten Refi­ne­ments. Ent­wick­lung und Pro­jekt­lei­tung brin­gen dabei fach­li­che und tech­ni­sche Per­spek­ti­ven zusam­men. Dar­aus ent­steht ein Lösungs­raum mit ver­schie­de­nen Vari­an­ten, Auf­wands­schät­zun­gen und Risiken.

⚙️ Die Archi­tek­tur­fra­ge: Wie bau­en wir das mög­lichst schlank?
Zwei Haupt­sze­na­ri­en stan­den zur Diskussion:

  • Ein zusätz­li­ches Rück­schub­da­tum im bestehen­den Lieferschein
  • Ein neu­er Beleg­typ „Rück­schub­schein“ als Folgedokument

Bei­de Vari­an­ten hat­ten weit­rei­chen­de Fol­gen:
Beim Rück­schub­da­tum wären neue Pro­ble­me ent­stan­den - etwa in der Tou­ren­pla­nung oder bei der Fra­ge, auf wel­ches Datum Umsät­ze und Bewe­gun­gen geschrie­ben wer­den. Ein neu­er Beleg­typ hät­te die Fak­tu­rie­rung, Beleg­flüs­se und Report­ing-Logi­ken ver­än­dert - tech­nisch lös­bar, aber auf­wän­dig. Und für unse­re Kun­den wären neue Pro­zes­se und Schu­lun­gen not­wen­dig gewe­sen. Dann kam die prag­ma­ti­sche Idee: Was wäre, wenn wir ein­fach den bestehen­den Beleg­typ Lie­fer­schein nut­zen - aber ihn mit einem Flag„Warenrücknahme“ ver­se­hen? Plötz­lich dreh­te sich die Diskussion:

  • Das Rück­schub­da­tum ent­spricht dem Beleg­da­tum des neu­en Lieferscheins
  • Die Rück­nah­me erscheint sepa­rat in der Tou­ren­pla­nung
  • In der Logis­tik-App läuft sie als Waren­ein­gang, obwohl es ERP-sei­tig ein Ver­kaufs­pro­zess bleibt
  • Sam­mel­rech­nung: Die bei­den Lie­fer­schei­ne las­sen sich bequem zusam­men­fas­sen - wie man’s von Monats­rech­nun­gen kennt

Die Lösung war klar: Mini­mal­in­va­siv, ele­gant und robust. Und: Kei­ne bestehen­den Pro­zes­se muss­ten gebro­chen wer­den. Die­ses klei­ne Häk­chen („Waren­rück­nah­me“) löst gleich eine gan­ze Rei­he von Herausforderungen.✅

🔧Die Umset­zung: Neue Funk­ti­on, ver­trau­ter Ablauf
Der Rück­schub­schein wird nun als zwei­ter Lie­fer­schein mit Flag „Waren­rück­nah­me“ erstellt. Er hat ein eige­nes Datum, taucht in der Tou­ren­pla­nung auf, läuft im Logis­tik­pro­zess als Waren­ein­gang - und wird fak­tu­riert wie gehabt. Und weil wir gera­de dabei waren, haben wir noch einen drauf­ge­legt: VinX kann jetzt auto­ma­tisch einen Waren­rück­nah­me-Beleg aus allen Fest-Lie­fer­schei­nen erzeu­gen. Basie­rend auf dem Ereig­nis „Fest“ wird ein Rück­nah­me­schein erstellt, die Posi­tio­nen wer­den genullt und dann mit den effek­ti­ven Rück­nah­men ergänzt. Was fehlt oder beschä­digt ist, erkennt VinX auto­ma­tisch - und ver­rech­net es.

🧭Fazit: Zwi­schen Idee und Umset­zung liegt viel Hand­werk
Bevor die ers­te Zei­le Code geschrie­ben war, haben wir:

  • das Pro­blem analysiert
  • tech­ni­sche und fach­li­che Abhän­gig­kei­ten geklärt
  • Auf­wand und Risi­ken bewertet
  • ver­schie­de­ne Archi­tek­tur­an­sät­ze entwickelt
  • meh­re­re Vari­an­ten durch­dacht - und verworfen

Was am Ende ein­fach aus­sieht, ist das Ergeb­nis vie­ler Dis­kus­sio­nen, viel Know-how - und viel Lie­be zum Detail. Im nächs­ten Teil neh­men wir euch mit in die tech­ni­sche Umset­zung: Wie wird aus einem Archi­tek­tur­kon­zept funk­tio­nie­ren­der Code? Wie tes­ten wir? Wo schlei­chen sich Bugs ein? Und wie arbei­tet unser Team in Ite­ra­tio­nen zusam­men? Bleibt dran - wir gehen wei­ter zwi­schen die Codezeilen. 

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